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Nachwuchs für die Hebammen

Wissenschaftsministerin Schüle und Gesundheitsministerin Müller gratulieren ersten Absolventinnen des neuen Studiengangs Hebammenwissenschaft an der BTU Cottbus-Senftenberg

- Erschienen am 01.04.2025 - Presemitteilung 036/2025
Symbolfoto Hebamme (Foto: © Kzenon / Fotolia) Foto: © Kzenon / Fotolia

Die im Herbst 2021 mit Unterstützung und Begleitung vom Wissenschafts- und Gesundheitsministerium gestartete akademische Hebammenausbildung in Brandenburg trägt erste Früchte: Die 13 ersten erfolgreichen Absolventinnen des staatlichen Bachelor-Studiengangs Hebammenwissenschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) haben ihre Zeugnisse erhalten. In den nächsten Tagen bekommen sie vom Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) ihre „Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung“, danach können sie unmittelbar als Hebamme tätig werden. Der Studiengang, der im Wintersemester 2021/22 erstmalig am Senftenberger Standort der BTU startete, vereint hebammenwissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Ausbildung in den regionalen Geburtskliniken sowie bei freiberuflich tätigen Hebammen. Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle und Gesundheitsministerin Britta Müller gratulieren den Absolventinnen zu ihrem Abschluss. Elf von ihnen nehmen eine Tätigkeit in Brandenburger Geburtskliniken auf, unter anderem in Potsdam, Cottbus und Lübben (Dahme-Spreewald).

Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle: „Herzlichen Glückwunsch an die ersten erfolgreichen Bachelor-Hebammen ‘Made in Brandenburg‘! Wir brauchen sie dringend. Hebammen stehen nicht nur Gebärenden zur Seite. Sie verfügen über fundamentales medizinisches, anatomisches und geburtshilfliches Wissen – und verbinden dabei Intuition mit evidenzbasierter Forschung, empirischem und traditionellem Wissen. Die UNESCO hat das Hebammenwesen deswegen völlig zu Recht in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Und weil wir diese Einschätzung teilen, haben wir 2021 die akademisierte Ausbildung der Hebammen gestartet und stellen dafür jährlich mehr als zwei Millionen Euro bereit. Was mich besonders freut: Neben der Lehrkräfte-Ausbildung haben wir auch den Hebammen-Studiengang am Standort Senftenberg im Rekordtempo aufgebaut. Damit der Campus die besten Voraussetzungen hat, um sich zu einem wichtigen Zentrum der Gesundheitswissenschaften im Land zu entwickeln.“

Gesundheitsministerin Britta Müller: „Hebammen sind für Schwangere und Mütter unverzichtbar. Jeden Tag übernehmen sie die äußerst verantwortungsvolle Aufgabe, Frauen und ihre Kinder in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett zu begleiten. Die Landesregierung setzt sich daher auch weiterhin für eine verlässliche und flächendeckende Geburtshilfe und Versorgung mit Hebammenhilfe in ganz Brandenburg ein. Die neuen Absolventinnen sind ein Beleg dafür, dass Brandenburgs Hebammenausbildung durch die erfolgte Akademisierung und den neuen Studiengang an der BTU deutlich attraktiver geworden ist. Besonders freue ich mich über das hohe Niveau der Abschlüsse und darüber, dass fast alle Absolventinnen künftig in Brandenburg arbeiten werden. Hier gebührt mein Dank dem Lehrkörper des Hebammenstudienganges, den engagierten Kooperationskrankenhäusern und außerklinischen Praxiseinsatzstellen sowie insbesondere den dort tätigen hochmotivierten Praxisanleiterinnen der Studierenden. Unser Land benötigt dringend gut qualifizierten Hebammen-Nachwuchs in diesem Bereich, weil in den nächsten acht Jahren rund ein Drittel aller Hebammen das Rentenalter erreichen wird. Ich gratuliere allen Absolventinnen ganz herzlich zu ihrem Abschluss und wünsche ihnen bei ihrer künftigen Tätigkeit viel Erfolg!“

Prof. Dr. Franziska Rosenlöcher, Leiterin des Studiengangs Hebammenwissenschaft an der BTU: „Mit ihrem erfolgreich abgeschlossenen Bachelorstudium sind die jungen Hebammen bestens gerüstet, um in das Berufsleben zu starten und einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit von Frauen und Familien zu leisten. Die Absolventinnen begleiteten den Beginn des Lebens, sie werden Sicherheit und Vertrauen in den wohl aufregendsten Momenten eines menschlichen Lebens, der Geburt, schenken. Sie sind aber nicht nur Fachkräfte, sondern auch Begleiterinnen, Mutmacherinnen, Fürsprecherinnen und Beschützerinnen der Schwangeren, Gebärenden, Wöchnerinnen und Neugeborenen. Der Beruf der Hebamme ist und bleibt ein ganz besonderer. Gerade in einer Zeit, in der die Geburtshilfe vor großen Herausforderungen steht, braucht es engagierte, kluge und einfühlsame Hebammen, die mit Wissen und Herz für ihre Berufung brennen.“

Im Wintersemester 2021/22 hatten 16 Studentinnen an der BTU ihr sieben Semester währendes Bachelor-Studium im neuen staatlichen Studiengang Hebammenwissenschaft aufgenommen. Alle 13 Studentinnen, die zur Prüfung angetreten sind, haben diese mit gutem bis sehr gutem Ergebnis bestanden. Aktuell absolvieren darüber hinaus 47 Studentinnen der Jahrgänge 2022 bis 2024 ihr primärqualifizierendes Hebammenstudium und seit Herbst 2024 fünf altrechtlich ausgebildete Hebammen den Nachqualifizierungsstudiengang Hebammenwissenschaft, der ebenfalls mit einem Bachelor of Science endet.

Außerdem war zum Wintersemester 2023/24 der zweite Brandenburger Hebammenstudiengang an der zeitgleich neugegründeten privaten Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde (HGE) gestartet worden. Die Regelstudienzeit beträgt auch hier sieben Semester Studiendauer, der Studiengang wird ebenfalls mit einem Bachelor of Science abgeschlossen. In Eberswalde studieren in den ersten beiden Jahrgängen aktuell 29 angehende Hebammen.

 

Hintergrund

Seit 2023 werden Hebammen in Deutschland ausschließlich akademisch qualifiziert. Grundlage dafür ist das 2020 in Kraft getretene neue Hebammengesetz, das auf entsprechenden EU-Verordnungen basiert und die Vollakademisierung des Hebammenberufs eingeleitet hat. Derzeit läuft in Brandenburg die Übergangsphase, in der parallel noch sowohl fachschulisch als auch akademisch ausgebildet wird. Sie endet voraussichtlich Ende 2025/Anfang 2026.

In der alten, fachschulischen Ausbildung haben zwischen 2020 und 2024 insgesamt 102 Hebammenschülerinnen in Brandenburg ihre Ausbildung zur Hebamme in Cottbus und Eberswalde erfolgreich abgeschlossen. Der letzte fachschulische Ausbildungsjahrgang an der Hebammenschule der Akademie der Gesundheit am Standort Eberswalde wird im Herbst 2025 seine Abschlussprüfungen ablegen. Der Jahrgang war im Herbst 2022 mit 25 Auszubildenden gestartet.

Die Hebammenschule am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus hat ihre Arbeit im Frühjahr 2017 nach den letzten Abschlussprüfungen eingestellt und ihre Expertise in den Aufbau des Hebammenstudienganges an der BTU eingebracht.

Zusammengenommen befinden sich aktuell 101 angehende Hebammen in Brandenburg in der fachschulischen und akademischen Hebammenausbildung sowie weitere fünf Hebammen in der Nachqualifikation für den akademischen Abschluss.

Insgesamt sind in Brandenburg derzeit rund 625 Hebammen beruflich aktiv, etwa ein Viertel dieser Hebammen ist sowohl freiberuflich als auch festangestellt tätig.